Digital Culture

Drohnen – Freunde oder Feinde des Menschen?

Von Lea Meyer & Sophia Munding
#drones

Bereits 1783 gab es die ersten Versuche, unbemannte Luftfahrzeuge zu entwickeln. Den Begriff „Drohne“ gibt es allerdings erst seit 1932. In diesem Jahr wurde die Queen Bee gebaut, welche as „Mother of Drones“ bekannt wurde. Sie war das erste unbemannte Flugzeug, das in großer Menge produziert wurde und somit ein großer Meilenstein in der Geschichte der Drohnen. 1999, kurz nachdem das GPS eingeführt wurde, entwickelte ein kleines Unternehmen in den USA eine Mini-Drohne, um Fischern die Arbeit zu erleichtern. Diese war mit einer kleinen Kamera ausgestattet, um Thunfisch-Schwärme ausfindig zu machen. Niemand zeigte Interesse an dieser Erfindung, bis schließlich Präsident Bush darauf aufmerksam wurde und eine große Anzahl davon kaufte.

Dies leitete die Revolution der Drohnen ein. Heute gibt es eine große Vielfalt an Drohnen, mit einer Spannweite zwischen 30 Zentimetern und 40 Metern – von der Hobbydrohne bis zur Tötungsmaschine.

Drohnen revolutionieren die Kriegsführung

Ich bin wohl gut im Töten.

scherzte der Friedensnobelpreisträger Barack Obama einst über seinen Drohnenkrieg.

Im Militär dienen Drohnen zur Überwachung von Krisengebieten. Bodentruppen werden so unterstützt und bei einem Angriff können sofortige Maßnahmen und Entscheidungen getroffen werden. Die Drohne dient allerdings nicht nur in der Defensive, sondern wird auch offensiv eingesetzt. Am dritten Januar 2020 fiel der mächtigste iranische General Soleimani der MQ9 Reaper zum Opfer. Diese wird nicht grundlos „Fliegender Sensenmann“ genannt und ist zudem auch als „Königin der Drohnen“ bekannt. Die Drohne feuerte, nachdem sie Ghassem Soleimani identifiziert hatte und ihm gefolgt war, drei Lenkraketen auf ihn und seine Begleiter ab. Der Einsatz von Drohnen in diesem Gebiet ist höchst problematisch, doch für das Militär vereinfachen sie Vieles. Nicht nur weil man jemanden stunden- oder tagelang observieren kann um sicher gehen zu können, dass die richtige Person getroffen wird, sondern auch weil das Töten durch einen Mausklick möglich ist. Der „Face-to-Face“-Kampf geht komplett verloren und man muss das Leben der eigenen Truppen nicht mehr aufs Spiel setzen. Wie ist das mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren? Wenn man bedenkt, dass amerikanische Drohnenpiloten keine psychologische Hilfe aufsuchen dürfen, kriegt das Ganze schon einen bitteren Beigeschmack. Trifft man auch wirklich nur „böse“ Menschen? Am 7. September 2013 hat Aisha alles verloren, was ein Kind verlieren kann. Nachdem eine US-Drohne den Pick-Up von Aishas Familie im ostafghanischen Kunar anvisiert hat, brach das Feuer einer Hellfire-Rakete über sie herein. Vierzehn Menschen, die meisten Frauen und Kinder, wurden getötet. Die damals vierjährige Aisha überlebte, doch sie verlor bei dem Angriff ihre gesamte Familie – und ihr Gesicht. Der Drohnenangriff hatte es zerfetzt, bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ohne Frage revolutioniert die Drohne viele Einsatzgebiete, aber bis zu welchem Grad kann man ihren Einsatz verantworten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, muss man die Drohnen im Kontext ihrer Einsatzgebiete betrachten.

Drohnen revolutionieren unsere Freizeit

Einen starken Kontrast zur Militärdrohne bildet die Hobbydrohne, welche hauptsächlich für Fotos und Filme verwendet wird. Obwohl diese mittlerweile in unserer Gesellschaft zahlreich in Gebrauch ist, wissen die meisten nicht, was es alles zu beachten gibt. Hobbypiloten müssen folgende Gesetzte beachten:

  1. Eine Drohne bis zu 5 kg darf nur in Sichtweite gesteuert werden.
  2. Für Fotos und Videos von Personen oder privaten Grundstücken braucht man eine Einverständnis.
  3. Nur ausgebildete Piloten mit einem Drohnenführerschein und einer Ausnahmeerlaubnis dürfen höher als 100 m fliegen.
  4. Drohnen ab 250 g müssen mit einem feuerfesten Schild gekennzeichnet werden, auf dem Name und
    Adresse des Eigentümers stehen. Ab 2 kg ist eine Theorieprüfung nötig und ab 5 kg benötigt man eine Flugerlaubnis der Luftfahrtbehörde.
  5. Es gibt Flugverbotszonen, z. B in fremdem Wohneigentum, bei Menschenansammlungen, über Autobahnen, an Flugplätzen, Gefängnissen, Militäranlagen, Botschaften, Parlamentsgebäuden, Bahnanlagen und Krankenhäusern.
  6. Eine Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben.
    Werden diese missachtet, kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Drohnen revolutionieren unser Entertainment

Ebenso werden Drohnen in der Filmindustrie verwendet. Im Vergleich zu einem Helikopter können sie viel präziser um Hindernisse manövrieren und halbieren somit Filmkosten. So entsteht atemberaubendes Videomaterial mit wenig Aufwand. Vor allem Naturfilmer nutzen dies beispielsweise bei Vulkanausbrüchen, da Aufnahmen an so unzugänglichen Orten normalerweise nicht möglich wäre.

Drohnen können aber auch ohne Kamera für ein erstaunliches Entertainment sorgen – für faszinierende Lichtshoweinlagen, wie beispielsweise bei dem Intels-Formationsflug zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2018. Hierfür wurde durch eine Timecode-genaue Lichtprogrammierung der an Drohnen angebrachten LEDs eine spektakuläre Lichtshow erzeugt. Designer visualisieren, diese Shows vorher in dreidimensionalen Programmen wie Cinema 4D. Man kann also durchaus auch als Kommunikationsgestalter in der Arbeitswelt mit Drohnen in Kontakt kommen.

Drohnen revolutionieren unsere Sicherheit

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet sind Rettungseinsätze. Dort werden Drohnen verwendet, falls die menschliche Beobachtungsgabe nicht mehr ausreicht. Denn in Notfallsituationen benötigt die Einsatzleitung so schnell wie möglich Informationen für eine optimale Koordination. Sie schafft mit Hilfe der Kameras eine schnelle Übersicht über die Situation und kann umgehend Fotos an die Hauptzentrale schicken, wo diese sofort ausgewertet werden. Durch eine Wärmebildkamera ist sie beispielsweise in der Lage Menschen, die nicht einmal auf Bildern zu sehen sind, zu entdecken. Besonders Produktgestalter werden hier gefordert, denn es wird besonders Wert auf ein effektives Design der Drohne gelegt, damit diese für einen möglichst langen Zeitraum in der Luft schweben kann. Doch wie wird mit dem Videomaterial umgegangen? Gibt es genügend Gesetze, die die Sicherstellung von den Videos gewährleisten? Diese Fragen stellen sich vor allem bei Polizeidrohnen.

Die Polizei nutzt Drohnen hauptsächlich zur Überwachung und Aufklärung. Solch eine Drohne kann bis zu 50.000 Euro kosten. In den USA, England, Frankreich oder in den Niederlande wird die Drohne in größerem Stil eingesetzt als hierzulande. Weltweit laufen verschiedene Projekte zur Entwicklung einsatztauglicher, teilweise autonom operierender Mikrodrohnen. Sie sollen dauerhaft in der Luft bleiben und als „Schwarm“ agieren. Dies würde bedeuten, dass hunderte Mikrokameras ständig die Umgebung beobachten. Ist der Verlust der Privatsphäre durch ständige Überwachung die scheinbar erhöhte Sicherheit wert? Man muss nicht so weit in die Vergangenheit reisen, um zu erfahren, welche Gefahren ein Überwachungsstaat mit sich bringt. Zudem entsteht das Risiko, dass Drohnen gehackt werden könnten und Verbrecher die Technologie für sich nutzen.
Kriminelle nutzen Drohnen jetzt schon für illegale Zwecke. Es gibt einige Fälle, bei denen Drogen und Smartphones durch Drohnen in Gefängnisse geschmuggelt werden sollten. Auch Einbrecher nutzen Drohnen um Häuser nach Einstiegsmöglichkeiten und Fluchtwegen aus allen Winkeln zu erkunden.

Ein Gebiet in dem Drohnen viele Vorteile mit sich bringen ist die Versendung von Paketen. Amazon entwickelt zurzeit eine Drohne, die Pakete von einer Lagerhalle direkt zum Kunden bringen soll. So wäre die Bestellung im Idealfall schon in kürzester Zeit beim Kunden. Diese Zustellungsart ist in Deutschland derzeit aber noch nicht erlaubt. An dem Campus der Virginia State University wiederum werden die Studenten schon per Drohne mit Burritos versorgt. Neben Essens- und Konsumpaketen können Drohnen aber natürlich auch Versorgungspakete in unzugängliche Krisengebiete liefern. In Ruanda versorgen Drohnen Menschen schon mit Medikamenten. Auch Wasser und Lebensmittel können versandt werden. Menschen in von Naturkatastrophen oder Kriegen zerstörten Gegenden können somit schneller und einfacher an Hilfsmaterialien gelangen. So wird die Drohne in einigen Fällen sogar zum Lebensretter.

Drohnen revolutionieren unsere Werbung

Die Madison-Drohe ist vor allem für Gestalter höchst interessant. Sie ist eine fliegende Display Plattform, die für Werbezwecke eingesetzt wird. Mithilfe eingebauter Gesichtserkennung, kann sie die Gesichter der Werbekonsumenten scannen. Somit lässt sich Feedback über die Effektivität der Werbung sammeln. Dies wird natürlich dann dafür genutzt, die Werbung auf die vorbeilaufenden Leute zuzuschneiden. Datensammlungen aus solchen Drohnen könnten für Werbegestalter in Zukunft ein Durchbruch in der Analyse von Zielgruppen sein.

Drohnen werden unsere Zukunft revolutionieren

Trotz all dieser Gefahren, die Drohnen mitbringen, sind sie definitiv auch eine Bereicherung für die Gesellschaft. Durch die Optimierung von Alltagsprozessen, umfasst ihr Nutzen ein riesiges Gebiet, von Zeiteinsparung bis Lebensrettung. Sie sollte also auf jeden Fall weiterhin einen Platz in unserer Gesellschaft in ausgewählten Bereichen haben. Nun gibt es aber leider, wie bei fast allen Dingen, eine Schattenseite. Neben einer Dunkelziffer an Zivilopfern durch Militäroperationen sorgt man sich auch um die Überwachung sowie Einschränkung der Privatsphäre. Wann gehen Drohneneinsätze zu weit?
Mittlerweile besitzt die Menschheit das Wissen und die technischen Möglichkeiten KI Drohnen zu erschaffen. Stellen sie sich vor, eine Drohne so groß wie eine Handfläche verfolgt selbstständig ein vorgegebenes Ziel und könnte dieses sogar selbst ausschalten. Das könnte schon bald Realität sein. Doch was wenn die falschen Leute an solche Geräte kommen? Wem kann die Schuld gegeben werden, falls Fehler gemacht werden?

Die Netflix-Serie „Black Mirror“ zeichnet ein dystopisches Zukunftsszenario, in dem die Bienen ausgestorben sind. Als Lösung für das Problem werden bienenähnliche Drohnenschwärme eingesetzt, die deren Arbeit übernehmen. Was als großartige Innovation beginnt, findet allerdings ein schreckliches Ende. Die Drohnenschwärme werden gehackt und gezielt genutzt um Menschen auszuschalten.

Was klingt wie ein Science-Fiction Szenario, ist lange keine Unmöglichkeit mehr. Das Einzige was noch zwischen solchen Erfindungen und ihrer Umsetzung steht, sind wir. Wir, als Gesellschaft, sollten jegliche neue Technologien trotz ihres Wow-Faktors immer kritisch betrachten. Außerdem müssen wir darauf beharren, dass Regierungen klare Gesetze rund um die Nutzung von Drohnen schaffen. Es muss Transparenz geschaffen werden. Nicht nur für den User, welcher immer wissen sollte, was mit seinen Daten passiert. Sondern auch für Dritte, die von der Sammlung und Veröffentlichung dieser Daten beeinflusst sind. Das Thema ist unglaublich weitläufig und vielfältig. Es entwickelt sich so schnell, dass konkrete Regelungen unbedingt von Nöten sind. Und sobald es diese gibt, steht uns einer erfolgreichen Zukunft mit Drohnen nichts im Weg.

Fragen oder Feedback? Schreib' uns eine Email unter feedback@digitalculture.info.

Digital Culture

Kritische Reflexionen über aktuelle Entwicklungen in digitalen Technologien und unserer Rolle als Gestalter, die Zukunft verantwortungsvoll zu entwerfen. Themenwahl, Recherche und Texte von Student*innen der HfG Schwäbisch Gmünd im Kurs "Digital Culture" von Prof. Andreas Pollok.